Wohin geht’s? Positionen und Beiträge
zum Arbeitsfeld Kultur & Management

Eine Tonne besser – Resultat einer Ökobilanz

In der postpandemischen Zeit – nehmen wir einmal an, es sei so – können wir aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre für die Weiterbildung ein paar Lehren ziehen. Im Jahr 2020 hatte das SKM, wie praktisch alle Bildungsinstitute, sämtliche Lehrgänge auf Online-Unterricht umgestellt. Diese Unterrichtsform hat uns dazu gezwungen, eingespielte Abläufe erneut zu hinterfragen. Eigene Beobachtungen und eine Ökobilanz brachten Impulse, wie wir das Lehrangebot noch attraktiver und ökologisch nachhaltiger durchführen können.

 

Ökobilanz SKM

Im Curriculum unseres MAS in Kulturmanagement ist das Thema Nachhaltigkeit bereits seit einigen Jahren verankert. Daher waren wir bestrebt, auch das SKM einer detaillierten Prüfung zu unterziehen, um einen Überblick über die ökologische Nachhaltigkeit unseres Weiterbildungsangebots zu erhalten. Für die ersten Schritte in der Ökobilanz konnten wir auf das universitäre Netzwerk zurückgreifen und erhielten Unterstützung von der Fachstelle Nachhaltigkeit, die für uns die Daten auswertete. Wir erhoben die Daten für zwei reguläre MAS-Lehrgänge, einen regulären Lehrgang vor und einen optimierten Lehrgang nach der Pandemie. Die Messwerte bezogen sich auf die Mobilität und Verpflegung von Studierenden und Dozierenden, auf die Quadratmeter und Ausstattung von Büros und Kursräumlichkeiten sowie auf Exkursionen innerhalb des zweijährigen MAS-Lehrgangs.

Was bei der Weiterbildung des SKM mit seinen internationalen Dozierenden vor allem in die CO2-Waagschale fällt, ist die Mobilität. Der grösste Posten sind die Flugreisen von Dozierenden. Die Anfahrtswege der Studierenden und Mitarbeitenden, die aufgrund der kürzeren Distanzen und guten Verkehrsanbindungen fast immer mit dem ÖV oder per Velo unterwegs sind, fallen demgegenüber weniger ins Gewicht. Die folgende Tabelle fasst die CO2-Emissionen in den Jahren 2018-19 zusammen, die durch die Anreisen, inklusive Hotelübernachtungen und Verpflegung entstanden sind.

Quelle: Fachstelle Nachhaltigkeit, Ivo Bosshard

Rechnet man zu den rund 4 Tonnen CO2-Emission auch die Anfahrtswege der Studierenden und des SKM-Teams mit 0,6 Tonnen dazu, befinden wir uns knapp unter der jährlichen produzierten pro Kopf Emission in der Schweiz (was 5 Tonnen im Inland produzierten CO2-Äquivalenten entspricht). Ein Waldstück mit rund 400 Bäumen wäre somit ein Jahr lang mit dem Abbau unserer CO2-Emissionen beschäftigt.

 

Massnahmen Lehre…

Im Hinblick auf unsere Ökobilanz, haben wir im MAS-Lehrgang 2020/21 bei Dozierenden mit langen Anfahrtswegen geprüft, ob der Unterricht auch online, im Wechsel von Wissensvermittlung, Übungen und Coaching, vermittelt werden kann. Von den insgesamt 76 Studientagen des MAS in Kulturmanagement haben wir 14 Unterrichtstage auf Online-Unterricht umgestellt und die didaktische Vermittlung dem digitalen Medium angepasst. Im Vergleich zu den Studienjahren vor der Pandemie konnten wir allein mit dieser Massnahme eine Tonne CO2 einsparen, was – um bei den Bildern zu bleiben – 13’600 Tassen Kaffee entspricht bzw. bei einem moderaten Kaffeekonsum von zwei Tassen pro Tag immerhin 17 Jahre dauern würde.

Quelle: Fachstelle Nachhaltigkeit, Ivo Bosshard

Auch wenn die Übertragung via zoom ebenfalls Energie verbraucht, ist der Anteil im direkten Vergleich mit den Flugemissionen verschwindend klein und kann, gemäss Fachstelle, vernachlässigt werden. Idealerweise reisen Lehrpersonen mit einem Wohnort unter 1000 km Entfernung mit dem Zug an. Um auf ausgewiesene Fachleute aus weiter entfernten Regionen dennoch nicht verzichten zu müssen, ist der punktuelle Online-Unterricht eine gute Alternative. So können sich Fachleute aus verschiedenen Teilen der Welt zuschalten, bspw. im aktuellen CAS Kulturpolitik aus den U.S.A., Nigeria und der Ukraine. Unabhängig von Anfahrtswegen ergeben sich auch weitere Vorteile:

> Der Online-Unterricht ermöglicht leichteres Arbeiten mit detaillierten Dokumenten und Zahlen, wie Budgets, die während des Unterrichts einfacher geteilt und überarbeitet werden können.

> Kantonale Unterschiede bei den Ferienterminen konnten ausgeglichen werden, da es prinzipiell möglich ist, sich bei Bedarf auch aus den Skiferien im Berghotel zuzuschalten. Studium und  familiäre Aufgaben an den Wochenenden sind gemäss Rückmeldung einiger Studierenden ebenfalls einfacher zu bewerkstelligen.

> Online wird meist nur an einem Tag unterrichtet, anstatt an zwei aufeinanderfolgenden Unterrichtstagen. Mit der anderen Rhythmisierung gehen auch neue Arbeitsmethoden einher.

 

Präsenzunterricht nach wie vor hoch im Kurs

Der Präsenzunterricht wird sowohl von Studierenden als auch von den Dozierenden sehr geschätzt. Der dialogische Unterricht mit direktem Feedback oder auch der Wissens- und Erfahrungsaustausch in den informellen Gesprächen während den gemeinsamen Kaffee- und Mittagspausen sind Qualitäten des Unterrichtes vor Ort. Daher geben wir dieser Unterrichtsform weiterhin den Vorzug. Zentrale Bausteine des Curriculums sind auch die sogenannten Labortage, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit eigenen Fallbeispielen ermöglichen sowie ein- bis zweitägige Exkursionen pro Jahr.

Bei den öffentlichen Veranstaltungen können wir uns hingegen noch verbessern, wenn wir das regionale und saisonale Angebot einbeziehen. Für das Abschlussessen hat die MAS-Klasse 2020/21 von sich aus ein vegetarisches Restaurant vorgeschlagen. Der Unterschied zeigt sich auch in unserer Bilanz. Eine vegetarische Mahlzeit verursacht 0,61 kg CO2, was im Vergleich zu einem fleischhaltigen Menu (3,6 kg CO2) sechsmal weniger ist.

 

Empfehlungen der Fachstelle

Die Empfehlungen für das SKM sind genereller Natur und können für den Betrieb, aber auch für den privaten Haushalt Impulse geben. Dort, wo wir als SKM Einfluss nehmen können, setzen wir an: bei der Anreise von Dozierenden und der Terminkoordination. Weitere Hebel sind die Heizung, Druckmaterialien, die Auswahl von Restaurants und die Durchführung unserer Veranstaltungen. Tipps und Empfehlungen finden sich in dem von der Fachstelle entwickelten Eventleitfaden und Catering-Leitfaden, die in weiten Teilen auch auf freie Projekte und Kulturbetriebe übertragbar sind.
Die Auseinandersetzung mit einer CO2-Bilanz bringt einen interessanten Blickwinkel in eine Organisation, der auf verschiedenen Ebenen, im Kleinen wie im Grossen, Veränderungen bewirken kann. Sie zeigt uns aber auch auf, dass unser Bewusstsein für Nachhaltigkeit nicht an der Tür des Betriebs aufhört, sondern dort erst beginnt.

 

Nachhaltiges Kulturmanagement in der Praxis

In Kunst und Kultur werden ökologische und soziale Themen schon seit langem aufgegriffen. Möglicherweise hat der Ausfall von Aufführungen und Gehältern während des Lockdown verstärkt die betriebliche Seite der Kulturproduktion in den Fokus gerückt.
In unserer Veranstaltungsreihe zum Thema Nachhaltigkeit haben wir Kulturbetriebe vorgestellt, die in Eigeninitiative bereits ökologische und soziale Massnahmen umsetzen. Auch private und öffentliche Förderstellen legen vermehrt Wert darauf. Dies hat das vom SKM veranstaltete Podium «Vom Klimawandel zum Kulturwandel?» gezeigt. Förderkriterien beziehen sich jedoch nicht auf den künstlerischen Inhalt – im Gegenteil, da will man sich nicht einmischen – aber im Hinblick auf die Produktion ist erwünscht, wenn die Veranstalter:innen nachhaltige Ziele in ihre Überlegungen einbeziehen. Um den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren gibt es von der Förderung auch Unterstützung, bspw. mit reflector, einem Förderprogramm von m2act, das Beratung für die Arbeitsprozesse hinter der Bühne anbietet. Gleichwohl zeigen sich auch einige Baustellen, wie beispielsweise faire Löhne bei knappen Budgets bezahlt werden können oder welche Messgrössen in Leistungsvereinbarungen nicht das Wachstum sondern die nachhaltige Produktion und Verantwortung befördern. Dies benötigt allenfalls mehr Zeit bei der Entwicklung und Planung. Längere Spiel- oder Ausstellungslaufzeiten bedeuten aber auch weniger Output, was gerade im Kunstbereich die eigene Profilierung auf dem Anerkennungsmarkt schmälern kann. Und wenn Projekte teurer werden und die Höhe der gesprochenen Gelder gleichbleibt, erhalten somit auch weniger Projekte Unterstützung. Es lohnt sich also, mit den Förderstellen im Dialog zu bleiben, wenn es um die Anstrengungen für eine nachhaltige Zukunft geht, denn die Bereitschaft, diesen Wandel gemeinsam mit den Kulturschaffenden zu gestalten, ist bei vielen Förderstellen da.

Der Umgang mit Ressourcen wird die Kulturbetriebe und die Förderlandschaft jetzt und in Zukunft noch mehr beschäftigen. Nachhaltigkeit ist ein Eckpfeiler der Kulturbotschaft 25-28 und auch das Forum für Kultur und Ökonomie widmet dem Thema gleich mehrere Jahrestagungen. In der Weiterbildung des SKM sind ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit wichtige Bestandteile der Lehre und werden von den Studierenden gerne in einer vertiefenden Abschlussarbeit aufgegriffen. Denn kreative Lösungen sind auch im Management gefragt, damit der Kultursektor einen Beitrag zu einer positiven gesellschaftlichen und ökologischen Entwicklung leisten kann.

Beispiele dazu finden sich auf der Aktionsplattform  Tatenbank – Vert le futur

Verwendete Analysetools
Rechner für Reisen: https://calculator.carbonfootprint.com
Rechner für Mahlzeiten: https://smartlearning.izt.de/keeks/rezepte
Rechner für Hotelübernachtungen: https://biohotels.de/CO2-Fussabdruck